Sport

Der Mythos vom Fußball-ignoranten Ami nervt

Die Vorstellung, Amerikaner hätten kein Interesse am Fußball, ist weit verbreitet und antiquiert. Ein Blick auf die Realität entlarvt diese Klischees als überzogen.

vonJonas Fischer11. Juli 20263 Min Lesezeit

In der Welt des Fußballs ist der Vorwurf, Amerikaner interessierten sich nicht für das Spiel, ein oft gehörter Satz. Diese Behauptung graben viele leidenschaftliche Fußballfans in den europäischen Stadien unermüdlich aus, selbst wenn die Evidenz für diese Behauptung längst nicht mehr stichhaltig ist.

Die Vorstellung, dass die USA ein fußballverrücktes Land der Ignoranten sei, hat in der Tat den Charme antiquierter Stereotypen. Es gibt sicherlich kulturelle Unterschiede im Sportkonsum, und Westküsten-Vororte sind selten überfüllt mit leidenschaftlichen Anhängern ausgelassener Fangesänge auf den Straßen. Dennoch sind die Zahlen des US-amerikanischen Fußballs nicht zu leugnen. Die Major League Soccer (MLS), die mittlerweile in über 25 Städten aufgestellt ist, erfreut sich wachsender Beliebtheit, sowohl bei Zuschauern im Stadion als auch bei Fernsehzuschauern. Die Schlussfolgerung, dass nur Baseball und American Football den Amerikaner reizen, ist ebenso veraltet wie der Goldfisch in der Schüssel.

Fußball in den USA hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer ernstzunehmenden Sportart entwickelt. Die WM 1994 war ein Wendepunkt, der der Nation den Zauber des Fußballs näherbrachte. Seither hat sich die Liga stetig entwickelt und die Zuschauerzahlen sind entsprechend gestiegen. Man könnte meinen, dass sich zumindest ein schüchterner Funken an Begeisterung entzündet hat – und das hier spricht man nicht von einer Handvoll enthusiastischer Fans. Die US-amerikanische Nationalmannschaft und die Frauenmannschaft, die bereits mehrfach Weltmeister geworden ist, zeugen von einer wachsenden Passion, die zwar nicht mit den europäischen Entsprechungen vergleichbar ist, jedoch stetig im Aufwärtstrend ist.

Darüber hinaus wird der Mythos des Fußball-ignoranten Amis nicht nur durch uninformierte Klischees genährt, sondern auch durch eine schlechte Berichterstattung bei großen internationalen Turnieren. Oft wird bei der WM oder den Europameisterschaften der Fokus auf die „echten“ Fußballnationen wie Deutschland, Brasilien oder Argentinien gelegt, während die Leistung des amerikanischen Teams mit einem kaum verhohlenen Schmunzeln zur Kenntnis genommen wird. Diese Berichterstattung schürt nicht nur Vorurteile, sondern ignoriert auch die kleinen, aber beständigen Fortschritte des US-Fußballs.

Ironischerweise sind es oft die amerikanischen Fußball-Experten, die in Europa als die wahren Kenner des Spiels gelten. Experten und Kommentatoren, die sich vollkommen dem Fußball verschrieben haben, werden in US-Medien oft übersehen. Sie sprechen unerbittlich und oft leidenschaftlich über die Entwicklungen im europäischen Fußball. Gleichzeitig schnappen sie sich mit einem schockierenden Gefühl von Überlegenheit die eben genannten Klischees über den amerikanischen Fußball und geben sie weiter, als seien sie die unverfälschte Wahrheit.

Was wären die Olympischen Spiele ohne die leidenschaftlichen Flaggenträger aus den Staaten? Der Sport hat in den USA nicht nur eine lange Geschichte, sondern auch eine vielschichtige. Verschiedene Sportarten finden ihre Wurzeln in unterschiedlichen Regionen und Kulturen. Fußball mag noch auf dem Weg zum Höhepunkt der Popularität sein, doch wer sich nicht mit der Realität auseinandersetzt, übersieht die vielschichtige Sportlandschaft der USA.

Um auf den Punkt zu kommen: Die Annahme, der Amerikaner sei im Fußball ungebildet, ist ein Relikt der Vergangenheit. Anstatt sich auf veraltete Fiktionen zu stützen, wäre es doch weitaus angebrachter, sich den aktuellen Entwicklungen zuzuwenden. Und an diesen merkt man, dass Fußball in den USA durchaus eine Zukunft hat. Vielleicht gilt es sich, fernab der Klischees, auf eine neue Sichtweise einzulassen. Wer weiß, vielleicht sitzt der nächste leidenschaftliche Fußballfan schon bald auf der Tribüne eines New Yorker Stadions.

Der Mythos vom fußballignoranten Ami nervt also nicht nur die leidenschaftlichen Unterstützer des Spiels in den USA, sondern auch die, die Fußball als einen Sport der globalen Gemeinschaft betrachten. Das Traurige daran ist, dass diese Mythen oft die Entwicklungen im Fußball in den USA überlagern und die vielschichtigen Fans und Spieler im Schatten der Vorurteile stehen. Umso mehr ist es notwendig, über den Tellerrand zu schauen und die Leidenschaft, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, zu würdigen.

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